LFDE Macroscope: Super Mario!
Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei LFDE und
Clément Inbona, Fondsmanager, La Financière de l'Echiquier
Wie in dem gleichnamigen Videospiel, in dem der italoamerikanische Klempner zahlreiche Hindernisse überwinden muss, um eine Prinzessin zu befreien, hat der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi von 2011 bis heute einen steinigen Weg zurückgelegt und sich einer Herausforderung nach der anderen gestellt, um nun an die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde zu übergeben.
"Klappe, die letzte" also. Nach acht Jahren guter und treuer Dienste heißt es Abschied nehmen für Super Mario. Böse Zungen werden behaupten, dass die Zahlen gegen ihn sprechen und er das Hauptziel seiner Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) verfehlt hat: eine Kerninflation in Höhe von 2 Prozent. Zum Ende seiner Präsidentschaft beträgt die Inflation in der Eurozone im Durchschnitt 1,1 Prozent, also kaum mehr als die Hälfte des Zielwerts. Eine weitere Niederlage bestand darin, dass während seiner gesamten Amtszeit erstmals in der Geschichte der EZB keine Leitzinserhöhung vorgenommen wurde.
Aber dieses stark verkürzte Resümee verschweigt seine zahlreichen Erfolge. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt rettete Draghi den Euro mit den drei Zauberworten "Whatever it takes". Mit seinen 77 Pressekonferenzen und 185 Reden hat er überdies die Kommunikation der Institution revolutioniert und sie transparenter, lesbarer und vorhersehbarer gemacht. Es ist ihm auch gelungen, die Zinssätze, zu denen sich die Länder der Eurozone Geld leihen, wieder nach unten zu drücken.
Dies zeigt ein aktuelles Beispiel: Im Oktober begab Griechenland erstmals eine dreimonatige Anleihe mit negativen Zinssätzen. 2011, zu Beginn von Draghis Amtszeit, hatte der griechische Staat keinen Zugang zu den Märkten, um sich zu finanzieren, und niemand wollte die bereits begebenen Schuldtitel umtauschen. Das Land konnte mithilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) die Pleite verhindern. Draghi ist es auch zu verdanken, dass die Palette der geldpolitischen Instrumente heute breiter ist: Quantitative Easing, ein Absenken der Zinssätze in den negativen Bereich, LTRO, OMT, Tiering-System etc. Es gibt viele Methoden, um die gefürchtete Deflation abzuwenden.
Mario Draghi übergibt den Stab nun an Christine Lagarde. In der Krisenzeit von 2008 bis 2011 war sie Frankreichs Finanzministerin. Danach stand sie als Direktorin des IWF in Schieflage geratenen Ländern bei und stellte ihr diplomatisches Gespür und ihre Fähigkeit zu Kompromissen in gefährlichen Situationen unter Beweis. Wie Draghi auf seiner letzten Pressekonferenz betonte, wird die größte Herausforderung für sie darin bestehen, die Haushalts- und Geldpolitik in Einklang zu bringen. Denn genau hier liegt die Schwäche einer unvollendeten Wirtschaftsunion: Auch wenn die Geldpolitik in der Eurozone mittlerweile einheitlich ist, entscheidet jede Regierung bei Ausgaben und Steuern noch souverän. Um den Kontinent noch stärker zu machen, muss nach Meinung Draghis eine kohärente Haushaltspolitik gefördert und der teilweisen Übertragung einzelstaatlicher Befugnisse an die Union zugestimmt werden.
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