19.04.2006
Activest: Hohe Dividenden im DAX inkl. Steuervorteil
Köln, den 19.04.2006 (Investmentfonds.de) - Die Summe ist gigantisch: 21 Milliarden
Euro und damit so viel wie noch nie wollen die 30 Dax-Konzerne dieses Jahr an ihre
Aktionäre ausschütten. Als 'Zahlmeister' feierte das Magazin 'Capital' daher schon
die deutschen Blue-Chips, von denen außer dem Halbleiter-Hersteller Infineon alle
29 ihre Anleger bedenken - 22 voraussichtlich sogar stärker als beim letzten Mal.
Selbst im Boomjahr 2000 floss weniger Dividende. Hauptgrund ist, dass die Firmen in
den letzten Jahren nach dem Börsencrash ihre Bilanzen wieder in Ordnung gebracht,
harte Sparkurse verfolgt und in einer anziehenden Weltwirtschaft oftmals hohe
Gewinne eingefahren haben. Die Rekord-Dividenden sollten den Börsen gut tun, denn
angesichts fehlender Alternativen in Zeiten moderater Zinsen werden viele Anleger
ihre Erlöse wohl am Aktienmarkt reinvestieren. Da das Gros der Dividenden hierzulande
traditionell zwischen April und Juni gezahlt wird, könnten die Börsen zum Sommeranfang
noch mal haussieren.
So sehr der Geldsegen heute bejubelt wird, so wenig wurden Dividenden Jahre lang
beachtet: "Sie sind der Teil des Gewinns, der sich beim besten Willen nicht mehr
verstecken lässt", spottete der Bankier Carl Fürstenberg Anfang des 20.
Jahrhunderts. Und im 'Dotcom-Boom' um die Jahrtausendwende galten die Zahlungen
bei jungen Firmen sogar als spießige Randerscheinungen der belächelten 'Old Economy'.
Abgesehen davon, dass die Internet-Highfligher, die teils weder Gewinn noch
ernsthafte Umsätze verbuchten, ohnehin nicht hätten zahlen können, hieß es: Wofür
braucht es ein paar Euro Dividende, wenn die Aktienkurse ohnehin explodieren?
Erst als die Indizes ab März 2000 einbrachen, entdeckten Anleger wieder die Vorzüge
von Dividendentiteln.
Steuerliche Vorteile
Und die gibt es unbestreitbar. Rechnet man die Dividenden raus, stünde der Dax
laut 'Wirtschaftswoche' gerade mal bei 4000 Punkten, denn langfristig stammen fast
50 Prozent der Aktienerträge aus Ausschüttungen. Die werden zudem steuerlich
bevorzugt: Während etwa Kapitalzinsen oberhalb des Freibetrages von 1370 Euro
(2740 bei Ehepaaren) voll versteuert werden müssen, belässt bei Dividenden
das 'Halbeinkünfteverfahren' immerhin 50 Prozent steuerfrei. Zudem sind Firmen,
die kontinuierlich überdurchschnittliche Dividenden zahlen, offenbar die bessere
Wahl: Der DivDax, das ist der Index, der die 15 Dax-Konzerne mit den höchsten
Dividendenrenditen versammelt, hat den Dax in den letzten Jahren deutlich abgehängt,
zudem haben DivDax-Firmen weniger geschwankt und sich gerade in Schwächephasen
besser geschlagen.
Worauf Anleger achten sollten
Also auf zum Sturm auf die Dividendenkönige? Weit gefehlt. Allein auf die Dividenden-
rendite (Berechnung: Ausschüttung/Kurs*100), zu schauen, ist gefährlich. Erstens
beziehen sich hohe Renditewerte im Börsenteil der Tageszeitung meist auf die
Dividenden vom Vorjahr. Und die sind kein Garant für die Zukunft. Zudem kann die
Rendite auf zwei Arten anschwellen: durch in der Tat steigende Ausschüttungen, oder
aber - und dann wird's gefährlich - wenn der Aktienkurs einbricht. Bei konstanter
Dividende erscheint die Rendite auf das Papier dann ansehnlicher. Dass dem Anleger
aber durch Kursrückgänge viel höhere Verluste drohen, steht da nicht. Sprunghaft
gestiegene Dividendenrenditen sind also ein Grund zur Skepsis: Nicht selten verbergen
sich dahinter unternehmerische Probleme. Ein Beispiel ist die Deutsche Börse, die
ihre Dividende heuer auf 2,10 Euro verdreifacht. "Einen wichtigen Schritt (...) zur
Optimierung der Kapitalstruktur", nannte das der Konzern - kein Wort davon, dass
mächtige Hedgefonds die Ausschüttung durchgesetzt und dafür die (womöglich
langfristig sinnvollere) Fusion mit der Londoner Börse verhindert hatten.
Quelle: Investmentfonds.de