BNY Mellon IM-Kommentar: Merkel erneut Kanzlerin – was nun?
Nick Clay, leitender Fondsmanager bei Newton Investment Management (BNY Mellon IM):
„Da die deutsche Wirtschaft einer der größten Nutznießer des ‚Projekts Europa‘
ist und sich auch dank der im Jahr 2016 in China umgesetzten Ankurbelungsmaßnahmen
momentan sehr gut entwickelt, kommt die Wiederwahl von Angela Merkel nicht über-
raschend.
Wir könnten uns allerdings vorstellen, dass die optimistischen Schlüsse, die die
Märkte aus diesem Wahlergebnis ziehen, voreilig sind. Nach dem Wahlsieg von Emmanuel
Macron in Frankreich waren die Märkte ja zu der Auffassung gelangt, dass dieser
Wahlausgang im Hinblick auf den aufstrebenden Populismus einen Wendepunkt markiert
und sich das politische Umfeld nun wieder normalisieren wird. Und dass es sich beim
Brexit lediglich um eine unüberlegte und missverstandene Fehlentscheidung handelt.
Unserer Meinung nach könnten sich diese Einschätzungen aber durchaus als Irrtümer
erweisen, gerade wegen des Erstarkens der Rechtsaußenpartei AfD (13,5 Prozent),
die besser abschnitt als erwartet und zur drittstärksten Partei wurde. Schließlich
hat mit Macron ein absoluter Außenseiter, der noch vor einem Jahr in politischen
Kreisen völlig unbekannt war, die Wahl für sich entschieden. An dieser Stelle
sehen wir eher Parallelen zu Donald Trump (obwohl dieser natürlich einen ganz
anderen Ansatz verfolgt), denn beide Kandidaten haben davon profitiert, dass
die Wähler gegen die etablierten Parteien gestimmt haben. Und nach wie vor wünscht
sich die Bevölkerung Wandel und Veränderung, da der Status quo für sie einfach
nicht funktioniert. Mit dem Brexit wurde diese Unzufriedenheit ebenso zum Aus-
druck gebracht wie mit der britischen Parlamentswahl.
Deshalb halten wir es für gefährlich, aus der Wiederwahl von Angela Merkel das
Ende der populistischen Tendenzen abzuleiten, zumal man damit die im nächsten
Jahr in Italien anstehende Wahl ebenso wie eine mögliche Abstimmung in Katalonien
als risikolos einstufen würde. Aber Veränderungen sind immer noch notwendig und
werden auch gefordert werden.“
Paul Hatfield, Global Chief Investment Officer bei Alcentra (BNY Mellon IM):
„Die Märkte hatten bei dieser Wahl keine Überraschungen erwartet, jedoch
sorgte der überraschend hohe Stimmenanteil der AfD für Bestürzung. Vor dem
Hintergrund der eher besonnenen Reaktionen auf die größeren politischen
Schocks der letzten Zeit, erwarten wir jetzt keine deutlichen Wertschwankungen.
Das Ergebnis wird Merkels Einfluss in der zukünftigen Koalition schwächen und
könnte auch Auswirkungen auf die Brexit-Verhandlungen haben. Die Märkte hatten
ursprünglich erwartet, dass die Bundestagswahl die Weichen für eine enge
Partnerschaft zwischen Merkel und Macron stellen und damit weiterhin eine
Stütze für den Euro sein würde – mit direkten Vorteilen für die europäischen
Aktienmärkte. Doch der Erfolg der AfD könnte einen Strich durch diese Rechnung
machen. Bundesanleihen und US-Staatsanleihen zeigten zuletzt einen ähnlichen
Verlauf, und vieles sprach dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen würde
– aber dieses Wahlergebnis könnte dazu führen, dass die Zinsdifferenz noch
eine Zeitlang andauert.“
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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